Seit vielen Jahren findet in Versmold ein regelmäßiger interdisziplinärer Austausch rund um die intensivpädagogischen Wohngruppen statt. Auch am 3. Dezember des vergangenen Jahres kamen im Rathaus Vertreterinnen des Landesjugendamtes, des örtlichen Jugendamtes, der Polizei, des Ordnungsamtes, der beiden Wohngruppen, der Bereichsleitung sowie die pädagogische Leitung von TROTZDEM e.V. zusammen, um gemeinsam auf das vergangene Jahr zu blicken und aktuelle Entwicklungen zu besprechen.
Dieses Treffen hat eine lange Tradition. Es ist über die Jahre zu einer verlässlichen Plattform geworden, auf der unterschiedliche Professionen miteinander ins Gespräch kommen – mit dem Ziel, die Zusammenarbeit im Sozialraum zu reflektieren, Abläufe zu klären und gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Arbeitsaufträge zu stärken.
Gerade im Bereich der intensivpädagogischen Angebote ist dieser Austausch besonders wertvoll. Kinder und Jugendliche, die in unseren Gruppen leben, bringen häufig komplexe Lebensgeschichten, belastende Erfahrungen und besondere Unterstützungsbedarfe mit. Gleichzeitig bewegen sie sich selbstverständlich im öffentlichen Raum und sind Teil der örtlichen Gemeinschaft. Dadurch entstehen Berührungspunkte mit unterschiedlichen Institutionen – etwa mit Polizei oder auch dem Ordnungsamt.
Dabei arbeiten die jeweiligen Professionen auf Grundlage ihrer eigenen gesetzlichen Aufträge, fachlichen Konzepte und Handlungsspielräume. Eine Polizei muss delinquentes Verhalten bewerten und darauf reagieren, ein Ordnungsamt hat ordnungsrechtliche Aufgaben, während die Jugendhilfe pädagogisch arbeitet und biografische Hintergründe sowie Entwicklungsprozesse stärker in den Blick nimmt.
Diese unterschiedlichen Perspektiven schließen sich jedoch nicht aus – im Gegenteil: Sie machen den Austausch so wichtig.
Im interdisziplinären Gespräch wird deutlich, welche Rahmenbedingungen, Grenzen und Möglichkeiten die einzelnen Institutionen haben. Dieses Wissen schafft Transparenz und trägt dazu bei, Situationen besser einordnen zu können. Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, unterschiedliche Aufträge zu relativieren oder zu vermischen. Vielmehr ermöglicht der Austausch, die jeweilige professionelle Haltung klar zu behalten und gleichzeitig das Handeln der anderen Seite nachvollziehen zu können.
Gerade für die Arbeit mit jungen Menschen in intensivpädagogischen Settings ist diese Klarheit bedeutsam. Wenn Jugendliche erleben, dass die beteiligten Institutionen miteinander im Austausch stehen, entsteht ein Gefühl von Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit. Gleichzeitig wird deutlich, dass unterschiedliche Professionen zwar verschiedene Aufgaben haben, aber dennoch in einer gemeinsamen Verantwortung für das Zusammenleben im Sozialraum stehen.
Für die Kinder und Jugendlichen bedeutet das vor allem Orientierung. Sie erleben, dass pädagogische Unterstützung, klare Regeln und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zusammengehören.
Präventive Arbeit, transparente Kommunikation und abgestimmte Vorgehensweisen können dazu beitragen, Eskalationen zu vermeiden und Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Auch für die beteiligten Institutionen selbst ist dieser Austausch von großem Wert. Er schafft kurze Wege, erleichtert Rückfragen im Alltag und ermöglicht es, Herausforderungen frühzeitig zu besprechen. Gleichzeitig fördert er das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und stärkt das Netzwerk im Sozialraum und im Miteinander.
Dass dieser Runde Tisch in Versmold seit vielen Jahren besteht und kontinuierlich gepflegt wird, ist keineswegs selbstverständlich. Er lebt von der Bereitschaft aller Beteiligten, sich offen auszutauschen, unterschiedliche Sichtweisen zu respektieren und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Für TROTZDEM e.V. ist diese Form der Zusammenarbeit ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit vor Ort.
Sie zeigt, wie wichtig tragfähige Netzwerke sind – gerade dann, wenn intensivpädagogische Angebote Teil eines kommunalen Sozialraums sind.
Der kontinuierliche Dialog hilft dabei, Strukturen zu klären, Kooperationen zu stärken und den Blick auf das gemeinsame Ziel zu richten: gute Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu schaffen.
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