Systemische Einzelfallhilfe

Frei nach dem Motto:
Ich brauche Zeit, um ein Problem zu verstehen und mir Gedanken um die Lösung zu machen. Falsch verstandene Probleme liefern oftmals auch falsche Lösungen und Ansätze.

Als systemischer Jugendhilfeträger ist es unsere vorrangige Aufgabe, die individuellen Bedürfnisse und Entwicklungswege junger Menschen zu unterstützen – aber bevor wir hier unterstützen können, gilt es: Die Botschaft hinter dem Verhalten zu verstehen – Dieses Verhalten kann eine Vielzahl von Ursachen haben, darunter unerfüllte Bedürfnisse, traumatische Erfahrungen, emotionale Belastungen oder Schwierigkeiten in der Interaktion mit anderen Menschen.

In diesem Kontext spielt die Einzelfallhilfe eine entscheidende Rolle. Sie ermöglicht es, auf die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen einzugehen und durch Gespräche, Beobachtungen und zusammentragen der bisherigen Hilfen auf die Problemsuche zu gehen. Nur so kann eine passgenaue Unterstützung, kurz, mittel und langfristig entwickelt, installiert und begleitet werden.

Die Kinder und Jugendlichen, die bei uns angefragt wurden und werden. begleitet oftmals ein Weg, der geprägt ist von Abbrüchen, Enttäuschungen, immensen Wechseln der Helfersysteme und einer Schleife der Frustration, dass es einfach kein passgenaues Angebot auf dem „Markt“ für diese Anfrage gibt.

Die Komplexität der individuellen Problemlagen erfordert ein hohes Maß an Flexibilität, Kreativität und Einsatzbereitschaft aller Beteiligten. Hier gilt es in einem raschen Tempo verschiedenen Komponente miteinander zu verknüpfen und gut zu argumentieren, um sie dann im zweiten Schritt zu installieren.

Nicht selten benötigt eine Einzelfallhilfe eine Menge Ressourcen des Trägers:

  • Räume müssen hergestellt,
  • passendes Personal akquiriert,
  • Krisenkonzepte entwickelt,
  • Kostensätze kalkuliert,
  • Bewilligungen eingeholt,
  • Akteure einbezogen,
  • und ein gemeinsames Ziel definiert werden.

Die Vielschichtigkeit der Problemlagen erfordert ein hohes Maß an Fachlichkeit, Flexibilität und Einfühlungsvermögen. Doch gerade in diesen Herausforderungen liegt auch die Chance, gemeinsam mit den beteiligten Personen innovative Lösungsansätze zu entwickeln und so, nachhaltige Erfolge zu erzielen.
Unser Ziel ist es immer, gemeinsam mit der Fallführung des Jugendamtes eine maßgeschneiderte Betreuung zu gestalten, die den individuellen Bedürfnissen der individuellen Anfrage gerecht wird.

Trotz unserer Bemühungen sehen wir uns immer wieder mit der Realität konfrontiert,
dass passgenaue Angebote oft nicht angeboten werden können, weil Ressourcen fehlen, Rahmenbedingungen nicht passen und die Flexibilität mit dem Einhalten auch von Grenzen konfrontiert wird.

Es gibt immer wieder Bedarfe bei denen die Jugendhilfe, gerade im stationären Bereich an Grenzen stößt, die es zu überwinden gilt.

Als systemischer Jugendhilfeträger haben wir uns in den letzten Jahren immer mal wieder mit dem Thema der Einzelfallhilfe auseinandergesetzt und auch passende Angebote „stricken“ können.

 

Einige Beispiele: 

Projektstellen für Krisenintervention und Perspektivklärung:

  • Wir haben als Krisenintervention für ein Pflegekind eine Projektstelle aktiviert, die die Zeit zwischen Auszug aus der Pflegefamilie – bis hin zur Anschlussmaßnahme überbrückt hat. Mit dieser Intervention konnte eine Inobhutnahme vermieden werden und die Fallführung hatte genug Zeit eine passgenaue Anschlusshilfe im Gruppenkontext zu finden. Gleichzeitig erfuhr das Kind die größtmögliche Sicherheit und ein Abschiedsprozess mit der Pflegefamilie konnte gestaltet werden.

Betreuung von Kindern unter 14 Jahren in Wohnungen:

  • Wir haben in den letzten Jahren, Kinder unter 14 Jahre in angemieteten Wohnungen betreut. Hierbei variierte die Verweildauer je nach Setting und Auftrag. Diese Betreuung erfolgte unter anderem auch in enger Kooperation mit bis zu 5 anderen Trägern, was eine intensive Form der Koordination benötigte. Hier mussten neue Wege der gemeinsamen Kommunikation, der Dokumentation, der Verantwortungsbereiche und der Alltagsgestaltung installiert werden.

Betreuung von Kindern und Jugendlichen in einer bestehenden Wohngruppe:

  • Wir haben das Team einer Wohngruppe für ein Kind mit übergriffigem Verhalten gegenüber Mitarbeitern, mit einer externen Fachkraft verstärkt, welche gleichzeitig eng mit dem Jungen, aber auch mit dem gesamten Team gearbeitet hat.  Somit konnte der Platz des Jungen gesichert werden.

Reiseprojekte in Deutschland zur Vorbereitung einer Auslandsmaßnahme:

  • Im Hinblick auf eine Maßnahme im Ausland haben wir einen Jugendlichen in einem Reiseprojekt innerhalb von Deutschland, auf den Übergang von einer geschlossenen Einrichtung hin zu einer Auslandsmaßnahme, vorbereitet.

Zeitliche befristete Time out in 1:1 Maßnahmen

  • Daneben haben wir noch mit Krisenauszeitplätzen mit dem Ziel der Perspektivklärung (Intensive 1:1 Betreuung), gearbeitet. Hierbei handelte es sich oft um ein (zeitlich) befristetes Angebot. Auch hier ging es verstärkt darum, Auszeiten aus bestehenden Hilfeformen zu ermöglichen, adhoc Entlassungen zu verhindern oder auch um weitere Perspektiventwicklungen und das Suchen nach geeigneten Anschlusshilfen zu ermöglichen.

In all diesen Beispielen gab es viele Herausforderungen und somit auch immer wieder neue Lösungsansätze.

  • Die Fallsteuerung war ein zentraler Punkt. Wir haben intensiv daran gearbeitet, die richtigen Wege für jeden Einzelfall zu finden. Gerade im Hinblick auf den Einsatz von mehreren Trägern ist dies eine zentrale Frage: Wer hat hier den gesamten Fall im Blick – auch trägerübergreifend.
  • Eine sorgfältige datenschutzkonforme Dokumentation half uns, Entwicklungsschritte festhalten zu können. Wie gelingt es das ein Team von 13 Fachkräften gut im Austausch ist.
  • Klarheit und Transparenz in den Verantwortungsbereichen waren entscheidend für den Erfolg. Wer hat welche Aufgabe. Hierbei ging es um inhaltliche Ausgestaltung aber auch um organisatorische Anliegen, die auf die Träger aufgeteilt wurden.  Auch ging es um die Steuerung bei Personalengpässen und der Kompensation von Ausfallzeiten bei Krankheit etc.
  • Die Beteiligung der jungen Menschen war ein weiteres zentrales Anliegen.  Dienstübergaben wurden im Beisein der KlientInnen gemacht, um der Sorge – es wird über mich geredet und entschieden etwas entgegen zu setzten. 
  • Die Dienstabdeckung, Entlastungszeiten, Ausfallzeiten etc.  haben wir gemeinsam mit der Fallführung des Jugendamtes transparent kommuniziert.

Zusammenarbeit mit dem Jugendamt:

  • Die enge Kooperation mit den KollegInnen aus dem Jugendamt als Fallsteuerung war in all diesen Fällen unerlässlich.
  • Ein regelmäßiger Austausch und ein gemeinsamer Blick auf die individuellen Hilfeformen und Settings ermöglichten uns so, passgenaue Lösungen zu finden. Auch die Bereitschaft die Kinder und Jugendlichen vor Ort zu besuchen, um die Gefahr nach geschlossenen Systemen zu verhindern, ist ein wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit. Ebenso gemeinsam das Kindeswohl in den Blick zu nehmen und die Bereitschaft, neben engeren Hilfeplanzeiträumen auch regelmäßige 14-tägige Online-Termine für zusätzlichen Austausch einzurichten.
  • Durch diese enge Kooperation im Fall können wir uns oftmals schnell den Bedarfen des Kindes/Jugendlichen anpassen und transparent sicherstellen das und wie wir uns den oftmals stetigen veränderten Bedürfnissen unsere Klienten gerecht werden.

Finanzierung

Die systemische Einzelfallhilfe ist eine Hilfeform, die sich als äußerst effektiv erweist, die jedoch oft mit hohen Kosten verbunden ist. Oftmals wird sie in Form eingesetzten Fachleistungsstunden bzw. neu kalkulierten Tagessätzen abgerechnet. Dort, wo Hilfen aber ganz neu installiert werden, benötigt es eine Einzelfallberechnung – passend zum Bedarf des Kindes/Jugendlichen. Neben der Betreuung bedarf es auch immer einer materielle Versorgung der KlientInnen.

Es ist uns wichtig, dass wir Hilfe- und Finanzierungsmodelle schaffen, die die nötige Flexibilität gewährleisten, das zu tun, was nötig ist. Nämlich das, was für das einzelne Kind, den/die einzelne Jugendlichen bedeutsam und hilfreich ist.

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