Liebe Leserinnen und Leser,
zu Weihnachten hat die CJB foundation aus Düsseldorf den Kindern und Jugendlichen in unseren stationären Wohnformen ein ganz besonderes Geschenk gemacht:
Jedes Kind bzw. jeder junge Mensch erhielt einen Gutschein im Wert von 100 Euro für IKEA – mit dem Wunsch, sich etwas für das eigene Zimmer aussuchen zu dürfen. Die Freude darüber war groß. Und sie war vielfältig.
Inzwischen wurden die ersten Gutscheine eingelöst – teils ganz spontan, teils mit klaren Plänen im Kopf. Ein gemeinsamer Ausflug ins Möbelhaus wurde dabei zu weit mehr als einem Einkauf. Zusammen mit den Pädagog*innen wurde gestöbert, verglichen, gerechnet und entschieden – und am Ende natürlich auch ein Hotdog gegessen. Ein ganz „normaler“ Tag – und doch ein besonderer.
Ein lang ersehnter Gamingstuhl, der – glücklicherweise reduziert – genau ins Budget passte. Ein Schreibtischstuhl bekam mit einem weichen Fell eine persönliche Note. Eine Wand wartete auf eine Magnettafel für Fotos. Ausgewählt wurden Spiegel für das Zimmer, kuschelige Bettwäsche und eine Pflanze. Und natürlich durfte auch ein Abstecher in die Plüschtierwelt nicht fehlen. Mit viel Sorgfalt wurden Preise verglichen, Möglichkeiten abgewogen und Entscheidungen getroffen.
Alle Kinder und Jugendlichen hatten eigene Ideen, eigene Wünsche und ganz persönliche Vorstellungen davon, was das eigene Zimmer ein Stück mehr zu einem „Zuhause“ macht. Umso wichtiger sind Momente, in denen junge Menschen erleben: Meine Wünsche zählen. Ich darf entscheiden. Ich darf meinen Raum zu meinem Raum machen.
Was nach einem alltäglichen Einkauf klingt, ist in Wirklichkeit ein Prozess von Beteiligung und Selbstwirksamkeit. Es ist das Erleben, Einfluss auf das eigene Lebensumfeld zu haben – sei es langfristig oder für eine bestimmte Zeit. Und es ist ein Stück Normalität, das Teilhabe ermöglicht: gemeinsam losziehen, auswählen, vergleichen, sich beraten lassen – und schließlich an der Kasse stehen.
Gerade in der stationären Jugendhilfe ist das keine Selbstverständlichkeit. Kinder und Jugendliche ziehen oft in unsere Wohngruppen, Projektstellen oder Pflegefamilien ein, nachdem sie vertraute Orte verlassen mussten. Räume, die sie kannten, Gerüche, Geräusche, Routinen – all das bleibt zurück. Stattdessen kommen sie in ein Haus, in dem vieles bereits entschieden ist: Möbel, Farben, Strukturen, Abläufe. Auch wenn diese Räume freundlich und gut ausgestattet sind, sind sie zunächst nicht das Eigene.
Manchmal ist stationäre Jugendhilfe ein langfristiger Lebensort. Manchmal aber auch ein Zuhause auf Zeit. Und selbst ein Zuhause auf Zeit darf – und muss – gestaltet werden. Wenn wir in ein Ferienhaus fahren oder vorübergehend an einem anderen Ort leben, nehmen wir persönliche Dinge mit: das Lieblingskissen, ein Foto, etwas Vertrautes, das Sicherheit gibt und sagt: Hier bin ich – auch wenn dieser Ort neu ist. Genau das brauchen Kinder und Jugendliche in stationären Wohnformen auch: Dinge, die sie sich selbst ausgesucht haben. Dinge, die etwas über sie erzählen. Dinge, die einen fremden Raum zu ihrem Raum machen – zumindest für eine Zeit. Das eigene Zimmer ist dabei oft der wichtigste Rückzugsort. Ein Ort, an dem Identität entstehen darf, an dem Selbstwirksamkeit erlebt wird und an dem jungen Menschen spüren: Ich habe Einfluss auf mein Leben.
Diese Erfahrung ist nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern auch Ausdruck eines zentralen Kinderrechts: Beteiligung, Mitbestimmung und die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse im Alltag.
Zu sehen, welche Energie entsteht, wenn junge Menschen ihren Lebensraum – sei er dauerhaft oder auf Zeit – aktiv mitgestalten dürfen, ist immer wieder beeindruckend. Es zeigt, wie wichtig solche scheinbar „kleinen“ Dinge sind – und wie groß ihre Wirkung sein kann.
An dieser Stelle möchten wir von Herzen Danke sagen: für die Idee und für ein Geschenk, das weit über materielle Dinge hinausgeht und den Kindern und Jugendlichen nicht nur Freude bereitet hat, sondern ihnen ein Stück mehr „Zuhause“, Sicherheit und Selbstbestimmung geschenkt hat – ganz gleich, wie lange dieser Ort ihr „Zuhause“ sein wird.
Ein herzliches Dankeschön – im Namen aller kleinen und großen Beteiligten.

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