Als Jugendhilfeträger wissen wir, wie schwierig es ist, für gleich mehrere Kinder und Jugendliche in Schwierigkeiten eine geeignete Wohnform zu finden. Häufig werden Geschwister getrennt, weil die Jugendhilfe keine gemeinsamen Plätze anbieten kann.
Wir sind jedoch überzeugt, dass es ein guter Weg sein kann, Geschwisterkindern ein gemeinsames Aufwachsen zu ermöglichen und die Jugendhilfe hierzu Antworten finden muss.
Um deutlich zu machen, was die Herausforderungen und Spannungsfelder bei Geschwisterkonstellationen sein können, möchte ich Ihnen gerne einen kurzen inhaltlichen Einblick geben, der uns unter anderem im letzten Jahr im Rahmen der Konzeptionierung unserer neuen Wohngruppe „Z(w)eitheimat“ beschäftigt hat:
Bei Geschwisterkindern sind Rollen- und Funktionskonflikte ohnehin gegeben und werden durch soziale Nöte bei Kindern aus belasteten Familien meist verstärkt. Da diese Rollenkonflikte (z.B. der/die Ältere versorgt die Jüngeren) eine immense Auswirkung auf die individuelle Entwicklung jedes Kindes haben, wurde uns die Notwendigkeit einer behutsamen Aufarbeitung und Auflösung dieser Rollenkonflikte in einem eng betreuten stationären Setting durch ein multiprofessionelles Team, besonders bewusst. Durch die gemeinsame Unterbringung von Geschwisterkindern können diese sich in dieser Konstellation in neuen Rahmenbedingungen nochmal ganz anders, aber gemeinsam, entwickeln. Hierdurch können neue Charakterzüge gestärkt/Rollen gefunden und Identitäten entwickelt werden, unabhängig von den zuvor bestehenden, in der Herkunftsfamilie.
Uns wurde deutlich, dass wir durch die Z(w)eitheimat einen Ort schaffen wollten, bei dem es intensiv um die Themen „geschwisterliche Bindung“ und „Individualität“ gehen sollte. Wir wollten einen Wohn- und Lebensraum für 6 Kinder und Jugendliche ab 5 Jahren in diversen Geschwisterkombinationen schaffen, die vorübergehend oder langfristig nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie oder in ihrer bisherigen Unterbringung bleiben konnten. Und so fassten wir den Entschluss, uns den inhaltlichen und alltäglichen Herausforderungen zu stellen, damit, auch entsprechend der Gesetzesreform der Familienerhalt so gut es geht gestärkt werden kann.
So wurde die Wohngruppe „Z(w)eitheimat“ dann immer konkreter durchdacht und als umsetzungsfähiges Konzept innerhalb eines Jahres auf die Beine gestellt. Im November 2023 haben wir eröffnet und seit April 2024 sind alle sechs Plätze belegt, die Kinder und PädagogInnen vor Ort lernen und entwickeln sich zusammen und auch in meiner Rolle als Koordinatorin, dieses besonderen Projektes versuche, ich mich stetig mit den oben genannten Themen auseinanderzusetzen.
Sollten Sie Interesse an einem fachlichen Austausch haben, bereits mit Geschwisterkonstellationen arbeiten oder dies in Zukunft vorhaben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme und das gemeinsame Beschäftigen mit dem Thema. Meine Kontaktdaten finden Sie auf unserer Website.
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